HANNOVER, 2. Dezember 2025 – Mit dem Projekt "Ganzheitliche Versorgungsstützpunkte und interdisziplinäre Diagnostik für Menschen mit Hörsehbehinderung/Taubblindheit" (GaViD-Sinne) entsteht ein bundesweit einmaliges Angebot zur Verbesserung der Versorgung und gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen beider Fernsinne. Ziel des Projekts ist es, die medizinische Versorgung sowie die gesundheitliche Lebensqualität von Menschen mit Taubblindheit oder Hörsehbehinderung deutlich zu verbessern. Viele Betroffene bleiben bislang unerkannt oder sind medizinisch nicht ausreichend versorgt.
Das vom Deutschen Taubblindenwerk initiierte und gemeinsam mit den Projektpartnern Nikolauspflege – Stiftung für blinde und sehbehinderte Menschen und Blindeninstitutsstiftung sowie weiteren Konsortialpartnern entwickelte Projekt GaViD-Sinne will diese Versorgungslücken durch den Aufbau von vier spezialisierten Diagnostik- und Versorgungsstützpunkten (DVSP) schließen. Diese entstehen im Jahr 2025 an den Standorten Hannover, Berlin, Stuttgart/Tübingen und Würzburg in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Universitätskliniken.
Gesetzlich versicherte Menschen mit doppelter Sinnesbeeinträchtigung finden in den DVSP individuelle Diagnose- und Unterstützungsangebote, die interdisziplinär abgestimmt sind. Diese richten sich an alle Altersgruppen, sind kostenfrei und erfordern keine Überweisung durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte. Schwerpunkte liegen in den Bereichen Sehen, Hören und Kommunikation. Darüber hinaus erfolgt eine umfassende Beratung zu geeigneten Hilfsmitteln und passgenauen Unterstützungsmöglichkeiten.
Langfristig sollen die Leistungen der DVSP in die medizinische Regelversorgung der Krankenkassen überführt werden. Um dies zu ermöglichen, wird das Projekt durch eine wissenschaftliche Studie begleitet. Diese Evaluationsstudie erfolgt durch die Sektion Versorgung- und Rehabilitationsforschung (SEVERA) an der Universität Freiburg. Insgesamt werden hierbei 400 Personen einbezogen, um die Wirksamkeit der neuen Versorgungsform fundiert zu untersuchen.
Das GaViD-Projekt läuft über drei Jahre (September 2024 bis August 2027) und wird mit rund 5,8 Millionen Euro durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (Kennzeichen: 01NVF23101) gefördert.
Neben dem Deutschen Taubblindenwerk, der Nikolauspflege und der Blindeninstitutsstiftung engagieren sich vier Universitätskliniken (Charité Berlin, Medizinische Hochschule Hannover, Tübingen und Würzburg), die AOK-Württemberg, der Verein Leben mit Usher e.V., die DAK sowie weitere Partner für das richtungsweisende Projekt. Weiter zur Webseite www.gavid-sinne.de
Seit über 50 Jahren: Einsatz für Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe
Seit 1967 Jahren setzt sich das Deutsche Taubblindenwerk für Menschen mit Taubblindheit und Hörsehbehinderung in Deutschland ein. An den Standorten Hannover und Fischbeck gibt es ein umfassendes Programm für derzeit 70 Kinder und 200 Erwachsene. Zu den Angeboten zählen Frühförderung, ein Kindergarten, eine Schule mit Internat sowie verschiedene Wohnformen für erwachsene Personen. Darüber hinaus stehen eine Werkstatt mit Berufsbildungsbereich sowie zahlreiche Freizeit- und Beschäftigungsangebote zur Verfügung.
Dazu kommen eine Qualifizierungsmaßnahme zur Taubblindenassistenz und die in Deutschland einzigartige Taubblindentechnische Grundausbildung. In den Räumlichkeiten des Deutschen Taubblindenwerks in Hannover befindet sich eine EUTB®-Fachstelle mit Expertise in der Kommunikation für Menschen mit Taubblindheit und wesentlicher Hörsehbehinderung.
Kontakt
Hannover
- E-Mail: gavid-hannover@taubblindenwerk.de
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- E-Mail: gavid-berlin@taubblindenwerk.de
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Würzburg
- E-Mail: gavid-wuerzburg@blindeninstitut.de
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Stuttgart
- E-Mail: gavid-stuttgart@nikolauspflege.de
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