Erst vor wenigen Tagen haben die Vereinten Nationen den 27. Juni als internationalen Tag für Menschen mit Taubblindheit/Hörsehbehinderung ausgerufen und damit die Rechte der Betroffenen gestärkt. Das Deutsche Taubblindenwerk feiert diese Entscheidung als wichtigen Schritt auf dem Weg zu mehr Teilhabe. Stellvertretend für Hunderte Menschen in Hannover und über Zehntausend in ganz Deutschland unterstützen Oberbürgermeister Belit Onay und Behindertenbeauftragter Jürgen Dusel den weltweiten Aktionstag und fordern gleichzeitig mehr Anstrengungen.
HANNOVER, 26.06.2025 – Der 27. Juni ist der Internationale Tag der Taubblindheit, das haben die Vereinten Nationen letzte Woche in ihrer Generalversammlung entschieden. Damit reagieren sie auf den weltweiten Appell von Organisationen und Unterstützern wie dem Deutschen Taubblindenwerk, Menschen mit Taubblindheit/Hörsehbehinderung sichtbar zu machen und ihre besonderen Bedürfnisse anzuerkennen. Dabei fiel das Datum auf den Geburtstag der amerikanischen Schriftstellerin Helen Keller, die im Jahr 1880 zur Welt kam und bis heute wohl die bedeutendste und einflussreichste Person mit Taubblindheit ist.
Bettina Trissia, Direktorin des Bildungszentrums Hören – Sehen – Kommunikation im Deutschen Taubblindenwerk, unterstreicht die Bedeutung des neu geschaffenen Aktionstages: „Taubblindheit ist eine Behinderung mit besonderen Perspektiven, Möglichkeiten und Zugängen zur Welt. Im Deutschen Taubblindenwerk erleben wir jeden Tag, wie diese Perspektiven unsere Welt bereichern können. Die Anerkennung durch die Vereinten Nationen mit dem Tag der Taubblindheit ist ein wichtiger Schritt für mehr Aufmerksamkeit auf die Herausforderungen, die Menschen mit Taubblindheit bewältigen müssen, aber auch die Möglichkeiten der Menschen zur Teilhabe an Bildung, Arbeit und in Gesellschaft.“
Behindertenbeauftragter fordert Nachteilsausgleiche für die Personengruppe
Unterstützung kommt auch von Jürgen Dusel, dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen: „Der neue Internationale Tag der Taubblindheit ist sehr wichtig, um auf die besonderen Bedarfe dieser Gruppe aufmerksam zu machen. Denn die Nachteilsausgleiche für diese kleine Gruppe sind nicht gut geregelt: Es gibt zwar das Merkzeichen ‚TBL‘ im Schwerbehindertenausweis, aber keine speziellen Nachteilsausgleiche. Dabei bedeutet die Diagnose „taubblind“ mehr als die Summe aus „taub“ und „blind“, sie ist ein eigenständiges medizinisches Phänomen mit spezifischen Bedürfnissen. Ich sehe die Bundesregierung in der Pflicht, hier konkrete Regelungen für gleichberechtigte Teilhabechancen zu treffen!“
Oberbürgermeister Belit Onay: „Teilhabe ist ein wichtiger Grundstein“ für die Zukunft
Seit vielen Jahren beteiligt sich das Deutsche Taubblindenwerk an internationalen Kampagnen mit dem Ziel, das öffentliche Bewusstsein für Taubblindheit in all seinen Facetten zu schärfen. Unter der Schirmherrschaft von Belit Onay, Oberbürgermeister der Stadt Hannover, wurden bereits die Säulen des Opernhauses in Hannover eingestrickt. „Die Kunstwerke von Menschen mit Taubblindheit sind nicht nur ein Thema für Menschen mit Behinderungen. Sie zeigen uns eine Welt, in der wir heute und morgen alle gemeinsam friedlich leben wollen“, erklärt dazu Onay. „Kunst weckt Neugier, lädt zum Verweilen und Entdecken ein. Das Deutsche Taubblindenwerk in Hannover eröffnet neue Wege und fordert gesellschaftliche Teilhabe von allen Menschen. Hier wird ein wichtiger Grundstein nicht nur für die Hannoveranerinnen und Hannoveraner gelegt.“
Das Deutsche Taubblindenwerk richtet zahlreiche Veranstaltungen aus und wird auch in diesem Jahr am Entdeckertag der Region Hannover am 14. September 2025 teilnehmen. Besucherinnen und Besucher können bei Rundgängen sowie Musik-, Informations- und Unterhaltungsständen eine einzigartige Einrichtung entdecken.
Seit über 50 Jahren: Einsatz für Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe
Seit 1967 Jahren setzt sich das Deutsche Taubblindenwerk für Menschen mit Taubblindheit und Hörsehbehinderung in Deutschland ein. An den Standorten Hannover und Fischbeck gibt es Angebote für derzeit 70 Kinder und 200 Erwachsene. Zu den Angeboten zählen Frühförderprogramme, ein Kindergarten, eine Schule mit Internat sowie diverse Wohnformen für erwachsene Personen. Darüber hinaus stehen Werkstätten zur beruflichen Qualifizierung sowie zahlreiche Freizeit- und Beschäftigungsangebote zur Verfügung.
Dazu kommen die in Deutschland einzigartige Taubblindentechnische Grundausbildung und Qualifizierungsmaßnahme zur Taubblindenassistenz. In den Räumlichkeiten des Deutschen Taubblindenwerks in Hannover befindet sich eine EUTB®-Fachstelle mit Expertise in der Kommunikation für Menschen mit Taubblindheit und wesentlicher Hörsehbehinderung.
Kontakt
Pia-Katharina Rabe
Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0511 51 00 8-6617
E-Mail: p.rabe@taubblindenwerk.de
