Anstrengend und toll: So war mein Freiwilliges Soziales Jahr im Deutschen Taubblindenwerk

Ich werde Grundschullehrer. So lautete der Berufswunsch des 18-jährigen Janek nach seinem Abitur an einer Schule in Hannover. Dann hat er ein Freiwilliges Soziales Jahr im Deutschen Taubblindenwerk absolviert – seitdem kann er sich eine Arbeit ohne Kinder mit geistigen und körperlichen Einschränkungen nicht mehr vorstellen.

„Mein Name ist Janek und ich habe im Bildungszentrum Hören – Sehen – Kommunikation im Deutschen Taubblindenwerk ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht. Der Grund, warum ich das gemacht habe, ist, dass ich schon immer etwas mit Kindern machen wollte und mir seit vielen Jahren vorgenommen habe, Grundschullehramt zu studieren. Am Ende meines Abiturs war ich mir dann aber nicht mehr ganz sicher und wollte mir den Bereich mit Kindern, die geistige und körperliche Einschränkungen haben, anschauen und gucken, wie mir das liegt.

Als ich in der Einrichtung anfing, war alles neu für mich und ich wusste bei vielen Dingen nicht, was ich machen oder wie ich handeln sollte. Ich war sehr unsicher. Dadurch, dass ich eine Person hatte, die mich angeleitet hat, wurde mir diese Unsicherheit schnell genommen. Ich durfte entscheiden, wie schnell ich etwas machen wollte und ob ich mir das zutraue.

Nach kurzer Zeit musste ich den Arbeitsplatz wechseln und bin in das Schulhaus 8 gekommen, da dieser Bereich eher Unterstützung brauchte. Am Anfang fand ich diese Vorstellung nicht gerade toll, da ich mich in dem vorherigen Bereich gerade erst zurechtgefunden habe und es im neuen Haus auch Internatskinder gab, was für mich bedeutete, dass ich auch nachmittags arbeiten musste. Es waren andere Kinder, andere Anforderungen und eine neue Umstellung.

Nach einiger Zeit habe ich bemerkt, wie gut es war, dass ich gewechselt habe. Die Kinder waren toll. Ich habe noch viel mehr Einblick in die Arbeit selbst bekommen und bin durch den Schichtdienst viel besser auf meine Stunden, die ich arbeiten musste, gekommen. Es hat angefangen, mir sehr viel Spaß zu machen und ich habe in der Zeit meines Freiwilligen Sozialen Jahres sehr viel erlebt. Durch die Größe und Vielfalt der Einrichtung habe ich nicht nur den Beruf des Erziehers kennengelernt, sondern auch den des Lehrers, der ganzen Therapien wie Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie und konnte auch sehen, wie es in einer Werkstatt mit behinderten Menschen abläuft. Auch fand ich es sehr gut, dass ich an einem einjährigen Gebärdenkurs teilnehmen konnte.

Meine allgemeinen Aufgaben bestanden darin, darauf zu achten, dass es den Kindern gut geht, sie in alltäglichen Aufgaben zu unterstützen, sie zum Unterricht zu bringen oder im Unterricht zu begleiten und mit ihnen am Nachmittag noch etwas Schönes zu unternehmen.

Es gab aber auch Dinge, die mich etwas gestört haben. Manchmal war es doch schon sehr stressig, da die Arbeit und Kinder einen sehr fordern. Es kann auch sein, dass der Kollege, mit dem man zusammenarbeitet, krank ist und man plötzlich mit einer anderen Person da steht, die als Aushilfe eingeteilt ist. An diese Situation muss man sich erst einmal gewöhnen und es ist wichtig, klar zu sagen, dass man das so nicht okay findet und einem das zu viel ist. Ich musste erst einmal lernen, dass ich das als FSJler darf und: dass das auch richtig ist.

Alles in allem war das FSJ ein tolles Jahr und ich habe viel kennenlernen dürfen. Durch diese Erfahrungen habe ich mich dazu entschlossen, noch ein Jahr in der Einrichtung zu arbeiten und danach nicht Grundschullehramt, sondern Sonderpädagogik zu studieren. Zurzeit arbeite ich also als Erziehungsdiensthelfer im Deutschen Taubblindenwerk. Es war nicht immer alles perfekt, manchmal sehr stressig und ich war auch manchmal genervt. Aber ich habe mir immer gedacht, dass das auch in jedem anderen Beruf so ist und es hier dafür noch relativ wenig war.

Wer nicht genau weiß, was er nach der Schule machen möchte, dem kann ich nur ein Freiwilliges Soziales Jahr empfehlen.“

Janek