Einrichtungsleiter Markus Meier über die Corona-Bremse, offene Ohren und ein Quäntchen Glück

HANNOVER/FISCHBECK, 11. November 2020 - Am Standort Fischbeck waren die ersten drei Arbeitsmonate von Markus Meier durch die Corona-Pandemie ganz anders als geplant. Eines ist aber klargeworden: Der neue Einrichtungsleiter ist ein unerschrockener Macher, der mit einem starken Team alles wuppen kann.

Für Sie als neuer Leiter des Standorts Fischbeck ist gerade eine besondere Zeit. Wie haben Sie die ersten 100 Tage erlebt?

Die Corona-Situation hat in Fischbeck viele Prozesse ausgebremst und zum Stillstand gebracht. Zu Beginn der Pandemie habe ich unter Jürgen Hennies den Landhof geleitet. Jetzt trage ich als Leiter für alle Arbeitsbereiche in Fischbeck die Verantwortung. Aktuell kann ich auf die Pandemie-Erfahrungen zurückgreifen, die wir als Einrichtungsteam seit März sammeln konnten. Jetzt, wo sich die Corona-Situation wieder zuspitzt, spielt mir das in die Karten.

Bei ihrem Antritt sprachen Sie von Weiterentwicklung in Richtung Zukunft. Hatten Sie überhaupt Gelegenheit, ihre Wunschthemen anzugehen oder drängt Covid-19 alles in den Hintergrund?

Das stimmt, Corona ist eine kleine Bremse. Ich wäre gern schon einen Schritt weiter. Aber in enger Abstimmung mit der Geschäftsführung in Hannover konnte ich zumindest ein paar Töpfe öffnen und zum Köcheln bringen. So möchte ich mich gern der Qualität in der Ernährung und Verpflegung widmen. Im Bereich der Wohngruppen sehe ich noch Perspektiven in der Weitergabe von Informationen. Wir arbeiten an einem professionellen Übergabebuch, was sich bei den Kollegen in Hannover bereits bewährt hat. Um die gute Zusammenarbeit zu fördern und zu pflegen, Arbeitsabläufe besser zu verstehen, ist es mir ein Anliegen, Mitarbeitergespräche in den einzelnen Bereichen einzuführen.

Die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes ist ein großes Thema. An welchen Punkten wollen Sie ansetzen?

Das Bundesteilhabegesetz ist ein großes Reformpaket der Bundesregierung zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen. Das läuft hier natürlich weiter. Wir befinden uns mitten in der Umsetzungsphase und in der Vorbereitung der letzten Reformstufe. Ich habe das große Glück, dass erfahrene Kollegen daran arbeiten und mir damit zunächst den Rücken freihalten.

Sie arbeiten seit vielen Jahren in Fischbeck. Wie hat sich ihr Alltag als Einrichtungsleiter verändert?

Ich bin im Alltag angekommen. Ich arbeite noch daran, die Fülle an Themen konsequenter zu priorisieren und bekomme dabei viel Rückendeckung aus der Geschäftsführung. Dass sich Mitarbeiter mit Problemen an den Vorgesetzten wenden können, habe ich im Laufe meines Berufslebens als sehr wertvoll empfunden. In der Funktion als Einrichtungsleiter merke ich aber auch, dass das bei über 200 Mitarbeitern und 127 Bewohnern auch eine Herausforderung ist. Ein offenes Ohr für die Kollegen zu haben, ist mir auch sehr wichtig – nur eben koordinierter. Auch der Kontakt zu den Bewohnern ist in meiner neuen Funktion weniger eng. Aber durch Corona ist der Austausch außerhalb der Wohngruppen eh sehr begrenzt. Deshalb freue ich mich darauf, wenn wir wieder Veranstaltungen durchführen können und ich einzelnen Bewohnern persönlich Hallo sagen kann.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Menschen im Deutschen Taubblindenwerk?

Ich wünsche mir, dass taubblinde Menschen bei uns auch in Zukunft so leben und sein können, wie sie es möchten. Da kommt wieder das Bundesteilhabegesetz ins Spiel, das hoffentlich den Mehraufwand in der Betreuung und Förderung der Menschen anerkennt, so dass wir unser Angebot auch in Zukunft aufrechterhalten können. Und wir brauchen weiterhin gut ausgebildete und hoch motivierte Mitarbeiter. Deshalb wünsche ich mir das Quäntchen Glück, dass wir auch in Zukunft die richtigen Bewerbungsmappen erhalten werden.