Literatur

Interaktive Beziehungen  

Von Barbara A. B. McLetchie und Marianne Riggio

(Perkins Institute for the Blind, Watertown, MA, USA)

aus: McLetchie, B. & Riggio, M.(2002). Communication: Interactive relationships. In L. Alsop (Ed.) Understanding Deafblindness, Issues, Perspectives and Strategies, Vol I (pp. 445-465). Logan, UT: HOPE, Inc.

Übersetzung: Gudrun Lemke-Werner

 

Einführung

Soziale Beziehungen sind die Grundlage für Kommunikation. Kommunikation beinhaltet den  Wunsch, mit einem anderen Menschen in Kontakt zu treten. Die vorantreibende Kraft bei der Entwicklung von Kommunikation ist eine vertrauensvolle Beziehung zwischen zwei Personen. Kommunikation ist das Mittel, durch das Beziehungen etabliert und erhalten werden.

Starke Bindungen zwischen dem Kind und seiner Bezugsperson ermöglichen ein Wohlgefühl und erleichtern die kognitive und kommunikative Entwicklung. Von Geburt an ist das Kind ein wirksamer Kommunikationspartner. Die Mutter   reagiert sofort auf das Schreien ihres Babys und nach kurzer Zeit ist sie in der Lage, unterschiedliches Schreien und unterschiedliche Geräusche des Kindes richtig zu interpretieren (z.B. Hunger, Wunsch nach Aufmerksamkeit, Zufriedenheit). Die Mutter folgt ihrem Kind intuitiv  und entwickelt die beste Basis für kommunikative Interaktionen mit dem Kind. Mutter und Kind tauschen Blicke aus; die Mutter berührt das Kind sanft; die Mutter imitiert und beantwortet die Bewegungen und Laute des Kindes mit eigenen Bewegungen und Lauten; Reziprozität oder sich aufeinander beziehende Wechselseitigkeit beginnt. In diesen Handlungen liegt der Beginn der emotionalen Bindung, liegen die Bande, die das Sprungbrett für die menschliche Entwicklung bilden.

Wenn Kinder mit Taubblindheit geboren werden, gibt es viele Herausforderungen, die die wichtigen frühen interaktiven Erfahrungen zwischen ihnen und ihrer Familie belasten. Viele von ihnen haben zusätzliche Behinderungen und gesundheitliche Probleme. Manche Kinder können möglicherweise nicht schreien oder schreien nicht normal, so dass sie die Aufmerksamkeit ihrer Bezugspersonen nicht erlangen können. Dies kann dazu führen, dass das Kind sich machtlos fühlt.

Durch die Sehschädigung ist der wechselseitige Blickkontakt zwischen Mutter und Kind verzerrt oder nicht vorhanden. Möglicherweise kann die Mutter unübliche Wege der Kommunikation ihres Kindes nicht verstehen bzw. nicht beantworten. Anstatt zu lächeln, bewegt ein blindes Kind vielleicht die Hand, wenn es glücklich ist. Ein Kind mit einer Körperbehinderung könnte grimassieren, obwohl es glücklich ist. Mutter und Kind entwickeln eventuell Gefühle von Unzulänglichkeit und Unsicherheit. Dieses Szenario muss jedoch nicht eintreten. Mit überlegter und aufmerksamer Intervention können taubblinde Kinder und ihre Familien eine positive und liebevolle Beziehung entwickeln.

Die Notwendigkeit, Bindungen mit anderen herzustellen

Erinnern wir uns daran, wie Mütter und Babys Bindungen miteinander herstellen. Menschen, die mit taubblinden Kindern arbeiten, können viel lernen, wenn sie die große Bedeutung der Mutter-Kind-Bindung kennen. Wir alle haben das Bedürfnis nach Bindung  und Vertrauen. Beides ist die Grundlage dafür, dass wir zufrieden sind und uns mit anderen verbunden fühlen. Wenn wir an unsere eigenen Erfahrungen zurückdenken, werden wir uns daran erinnern, dass unsere Lieblingslehrer diejenigen waren, die ein aufrichtiges Interesse an uns gezeigt haben. Wenn ein Kind fühlt, dass man sich nicht um es kümmert, wird es nicht lernen.

Unterstützung durch andere, um Beziehungen aufzubauen

Denke daran, was du alles gelernt hast, ohne dass es dir ausdrücklich beigebracht wurde. Taubblinde Kinder müssen vorsichtig und überlegt über eine Vielzahl von Dingen unterrichtet werden, die andere Kinder zufällig und nebenbei lernen. Kinder, die sehen und hören können, lernen beiläufig durch Zuhören und Bobachten von Ereignissen und durch Experimentieren in alltäglichen Lebenssituationen und Interaktionen. Sie lernen beiläufig, dass Wasser aus dem Wasserhahn kommt, was Bäume und Gras sind, was Lachen und Weinen bedeutet u.s.w. Sie erlernen Sprache und – dies ist am wichtigsten – sie lernen wie man Beziehungen herstellt.

Kombinierte Hör- und Sehschädigung bedeutet eine einzigartige Herausforderung. Das taubblinde Kind ist abhängig von einer Person, die ihm hilft, etwas über die Welt zu lernen und Beziehungen aufzubauen. Menschen mit Taubblindheit werden immer Beziehungen zu Menschen brauchen, die eine Brücke von der Isolation zur Interaktion schlagen. Der Erzieher hat viele Rollen und Verantwortlichkeiten für ein taubblindes Kind. Die wichtigste Aufgabe besteht darin, eine fürsorgliche, vertrauensvolle Beziehung mit dem Kind aufzubauen.

In diesem Kapitel wurden fundamentale Konzepte dargestellt, die wesentlich sind für den Aufbau einer sozialen Beziehung und die die Grundlage bilden für Kommunikation und Glück im Leben der Bezugsperson und des Kindes.

Die Macht der Berührung in der Beziehung

Wir alle benutzen Berührungen, um anderen Gefühle mitzuteilen. Man denke an die unterschiedlichen Arten, mit der durch Berührungen kommuniziert werden kann: eine Berührung an der Schulter kann Mitleid oder Aufmunterung bedeuten; das Halten der Hand in einer herzlichen Art und Weise kann Fürsorge zeigen. Berührungen unbewusst einzusetzen ist kritisch, wenn es sich um taubblinde Kinder handelt, auch wenn sie noch ein verwertbares Sehvermögen haben. Berührungen sorgen für ein Feedback und Informationen, die normalerweise über Mimik und Körpersprache vermittelt werden.

Für taubblinde Kinder ist Berührung die wirksamste und ursprünglichste Form der Kommunikation. Taubblinde Kinder vermitteln durch Berührungen ihre Gedanken, Gefühle, Neugier, Interessen, Bedürfnisse, Vorlieben und Abneigungen. Emotionen und Gedanken fließen auch durch unsere Berührungen – meistens durch unsere Hände. Viele taubblinde Kinder verstehen komplexe gesprochene oder gebärdete Sprache nicht; alle Kinder verstehen jedoch Gefühle, die mit Berührungen verbunden sind.

Begrüßung, Erkennen von Personen, Abschied

Alle sozialen Interaktionen haben einen Beginn, eine Mitte und ein Ende.

Taubblinde Erwachsene haben die Wichtigkeit von Berührungen ausgedrückt und Vorschläge für Begrüßungen, das Erkennen von Personen und das Signalisieren des Endes einer Interaktion gemacht.

Begrüßung

Denke darüber nach wie du begrüßt werden möchtest und wie du andere begrüßt. Die Art und Weise des Körperkontaktes, mit dem du dem Kind begegnest, bestimmt den Ton einer Interaktion. Eine freundliche Berührung der Schulter oder des Handrückens ist im Allgemeinen der respektvollste und angenehmste Weg, um dem Kind zu zeigen, dass man da ist. Denke daran, dass viele Kinder mit körperlichen oder neurologischen Behinderungen möglicherweise kein Gefühl auf dem Handrücken haben und Berührungen an der Schulter oder am Knie brauchen. Andere Kinder könnten eine festere Berührung gebrauchen, um zu spüren, dass jemand ihre Aufmerksamkeit haben möchte. Beobachte die Reaktion des Kindes sorgfältig, um zu entscheiden, welches der beste Weg ist, um ihm zu sagen, dass du hier bist.

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Erkennen von Personen

Wenn das taubblinde Kind begrüßt wurde, ist es wichtig, sich durch ein Zeichen zu identifizieren. Es ist respektlos, sich einem Kind zu nähern ohne ihm zu sagen, wer man ist. Wir sollten es auch mit seinem Namen begrüßen. Viele taubblinde Kinder sind nie so mit ihrem Namen angesprochen worden, dass sie ihn verstehen. Überlege, wie belastend es für die Selbsteinschätzung eines Kindes sein kann, seinen eigenen Namen nicht zu kennen.

Lasse dich bei der Festlegung von persönlichen Zeichen (z.B. Namen) für das Kind und dich selbst vom Kind führen. Suche Eigenschaften, die auf das Kind abgestimmt sind. Trägt ein Kind seine Lieblingsbaseballkappe jeden Tag, könnte ein Duplikat als Name und Grundlage für ein Namenszeichen benutzt werden. Um ein Erkennungszeichen für sich selber festzulegen, überlege, welche deiner Eigenschaften das Kind interessiert. Beispielsweise mag das Kind an den Ohrringen ziehen. Dieses Interesse kann verwandelt werden in eine Berührung des Ohres in Zusammenhang mit einem Namenszeichen. Arbeite mit anderen Personen zusammen, um sicherzustellen, dass jede Person ein anderes Erkennungszeichen hat und dass dieses beständig angewendet wird. Es ist sehr verwirrend, wenn zwei Personen als Erkennungszeichen gleiche Armbänder benutzen.

In unseren Unterhalten sprechen wir häufig über Leute, die uns nahe stehen. Darum müssen wir dem Kind eine Möglichkeit geben, über für sie wichtige Menschen zu sprechen, auch wenn sie nicht anwesend sind. Ein zweiter Hut, Ohrring etc. sollte verfügbar sein, damit das Kind Gelegenheit dazu hat. Das Duplikat kann ebenfalls Sicherheit vermitteln, wenn die vertraute Person nicht da ist.

Wenn das Kind älter wird, ist es wichtig über gesellschaftliche Auflagen in der Kommunikation nachzudenken. Kleine Kinder mögen die Haare oder Ohrringe als Erkennungszeichen berühren. Wir müssen jedoch daran denken, dass es weniger akzeptiert wird, wenn ein älteres Kind das Gesicht einer anderen Person berührt. Berührungen des Kopfes könnten auch nicht wünschenswerte Verhaltensweisen hervorrufen (z.B. Haare ziehen). Es ist ein guter Vorschlag, dem Kind dabei zu helfen, Berührungen auf den Arm oder in die Hand in Verbindung mit einem Namenszeichen zu überführen. Erkennt dich ein Kind beispielsweise an deinem Ring oder Armreifen plus Namenszeichen (wie der erste Buchstabe deines Namens), so führe dieses in seiner Hand aus.

Verabschiedung

Denke darüber nach wie du dich fühlst, wenn jemand mitten im Gespräch weggeht oder das Telefon einhängt ohne „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Überlege, welche Konsequenzen dieses Verhalten für ein Kind hat.

Wie man sich vom taubblinden Kind verabschiedet hängt von seinem Alter und seiner Kommunikationstechnik ab. Wenn das Kind keine symbolische Sprache versteht, kann eine visuelle oder taktile Geste wie „Winken“ gekoppelt mit dem Namenszeichen benutzt werden. Lasse das Kind wissen, dass du zurückkehren wirst, um ihm Sicherheit zu geben. Gib ihm ein Objekt, das es mit dir in Verbindung bringt. Wenn das Kind über eine gut entwickelte Sprache verfügt, wirst du es verlassen wie jemanden, der hören und sehen kann, nur dass die gesprochene Sprache möglicherweise durch Zeichen oder Gebärden ersetzt wird. Denke immer daran, dass es extrem ungehobelt ist, ein taubblindes Kind zu verlassen, ohne sich zu verabschieden.

Antizipation mit Hilfe von Berührungen

Überlege, wie oft du Sehen und Hören benutzt um vorauszusehen, was als nächstes passieren wird. Bedenke, wie beängstigend die Welt werden kann, wenn du nicht weißt, was geschehen wird. Berührungen vermitteln nicht nur Gefühle, sondern liefern Hinweise und Informationen, die dem Kind helfen, kommende Ereignisse zu antizipieren. Hörende und sehende Kinder sind aufgrund von visuellen und auditiven Hinweisen dazu in der Lage zu antizipieren. Beispielsweise streckt ein Vater die Arme aus und sagt „Komm!“, um dem Kind zu zeigen, dass er es hochnehmen wird. Hinweise durch Berührungen können stellvertretend eingesetzt werden für visuelle und auditive Reize, oder sie können eine zusätzliche Information sein, um Handlungen mit dem Hör- und Sehverlust in Einklang zu bringen.

Es gibt Wege, um dem taubblinden Kind verständliche und respektvolle Hinweise durch Berührungen/Gesten anzubieten. Auch wenn  Berührungsreize notwendig sind, um antizipieren zu können, ist es wichtig, über die Art und Weise des Einsatzes und darüber, wie sich das Kind dabei fühlt, nachzudenken. Versuche, dich in das Kind hineinzuversetzen. Es ist respektlos, ein Kind ständig nur anzutippen, um es dazu anzuhalten, einer Aktivität nachzugehen. Eine Möglichkeit, das Kind wissen zu lassen, dass wir es hochnehmen wollen, kann darin bestehen, zuerst seine Ellenbogen anzuheben. Bedenke dabei die Größe und Körperbehinderung des Kindes. Zwei- oder dreimal unter den Ellenbogen zu tippen könnte das Kind erschrecken oder verwirren. Ein sanftes und festes Anheben des Ellenbogens kann angemessener und bedeutungsvoller sein. Es kann für ein Kind sehr unangenehm sein, wenn man ihm auf den Mund tippt, um das Essen anzukündigen. Es bevorzugt vielleicht, seine Hand auszustrecken und zu fühlen, wie du an deinen Mund tippst. Die Beobachtung der Reaktionen des Kindes auf verschiedene Berührungen verhilft dir zu größerem Einfühlungsvermögen und verbessert letztendlich deine Fähigkeiten, angemessene Berührungshinweise zu geben. Diese müssen beständig eingesetzt werden und so einfach wie möglich sein.

Hand unter der Hand

Überlege, wie du dich fühlen würdest, wenn jemand die Kontrolle über deine Hände übernehmen würde. Hände sind wirksame Werkzeuge, um einem taubblinden Kind Gefühle und Informationen zu vermitteln. Darum müssen wir sorgfältig überlegen, wie wir die Kinder ermutigen können, etwas über die Welt zu lernen. Erfolgt das Erkunden von Gegenständen, indem du deine Hände dabei unter die des Kindes schiebst, wird ihm demonstriert, dass du etwas mit ihm gemeinsam tun möchtest aber es nicht manipulieren willst. Dies ist eine wichtige Unterscheidung. Manipulieren wir die Hände des Kindes, verursachen wir vielleicht den Verlust seines Wunsches nach Erkundung und Interaktion mit anderen. Das Resultat kann Passivität und Hilflosigkeit sein. Das Kind hat das Gefühl, keine Kontrolle über sein eigenes Leben zu haben und dadurch kann sein Selbstwertgefühl negativ beeinflusst werden.

Die Hände sind wie die Ohren, die Augen und die Stimme des Kindes. Wenn ein Kind ein Objekt erkundet, schließe dich ihm vorsichtig an und platziere einen Finger unter seiner Hand. Gemeinsames Tasten ist gleichbedeutend mit dem gemeinsamen Betrachten von Dingen. Wenn du dem Kind etwas zeigen möchtest, lade es dazu ein, seine Hände auf deine zu legen und bewege sie zum Objekt. Erlaube ihm, das Objekt zu berühren, während du es erkundest. Nimm deine Hände allmählich zur Seite, wenn das Kind den Kontakt mit dem Objekt herstellt.

Greifen

Sehen und Hören motivieren das Kind zu greifen und etwas über die Welt zu lernen. Taubblinde Kinder erscheinen oft sehr passiv, mit Selbststimulation beschäftigt oder mit Verhaltensweisen, die von innen gelenkt werden (z. B. Beklopfen des eigenen Körpers, Hände in den Mund stecken). Die Bedeutung der „Hand unter der Hand“ –Technik für die Exploration wurde bereits erläutert. Wenn ein kleines Kind spricht und dabei Fehler macht, nimmt die Mutter hin, was das Kind zu sagen hat und wiederholt den Inhalt in der sprachlich korrekten Form. Sie modelliert nicht die Lippen des Kindes, um das richtige Wort zu formen. Wenn ein taubblindes Kind durch Gesten etwas ausdrückt, akzeptiere es, und lasse es deine Hände abfühlen, wenn du es in der korrekten Form gebärdest.

Es ist störend und verwirrend für das Kind, wenn seine Hände genommen und zu Zeichen geformt werden. Um die Entwicklung einer natürlichen Kommunikation zu ermöglichen, lass deine Hände durch die des Kindes abfühlen, wenn du mit ihm sprichst. Denke daran, dass die Welt des Kindes größer und größer wird, je mehr es lernt, sie zu ergreifen.

Wir müssen Gelegenheiten für Dialoge schaffen zwischen unseren Händen und denen des Kindes, die dieselbe Struktur haben (von Angesicht zu Angesicht, hin- und zurück) wie gesprochene Konversation. Es hilft dem Kind nicht, wenn du hinter ihm stehst und seine Hände zu Zeichen formst für das, was du ihm sagen möchtest.

Wenn du deine Hände für das Kind erreichbar machst und seine Berührungen beantwortest, wirst du es ermutigen, dir zu vertrauen und dich als eine Informationsquelle zu akzeptieren. Dies wird eure Beziehung bereichern und ein Sprungbrett sein, das zu weiterem Lernen motiviert.

Taktile Abwehr

Wie würdest du dich unter einer Augenbinde fühlen, wenn dich jemand von der einen Ecke zur anderen schiebt und zieht und deine Hände dazu zwingt, unbekannte Objekte anzufassen? Sicherlich wirst du ängstlich und abwehrend werden.

Wenn man Aufzeichnungen von Menschen liest, die mit taubblinden Kindern zusammenarbeiten oder sich mit ihnen unterhält, wird man feststellen, dass vielen Kindern eine taktile Abwehr zugeschrieben wird. Manche haben sie aufgrund neurologischer Beeinträchtigungen tatsächlich. Viele Kinder sind von ihren Betreuern oder Lehrern allerdings erst durch sinnlose sensorische Stimulation oder durch den Gebrauch des Tastsinnes gegen ihren Willen dazu erzogen worden. Leute greifen oft nach der Hand des taubblinden Kindes, ohne sich zu identifizieren oder anzukündigen, was passieren wird. Es ist logisch, dass die Kinder verängstigt sind und sich durch Widerstand schützen. Viele Kinder haben keinen Zugang zu den Händen anderer erhalten und wurden ständig durch das Eingreifen Erwachsener manipuliert, die helfen wollten, die Umwelt zu erkunden oder eine Kommunikation durch Gebärden anzubahnen.

Denke wieder daran, dass die Hände Augen, Ohren und Stimme eines taubblinden Kindes sind, und unsere Hände werden für das Kind zu unserer Stimme. Jedes Mal, wenn du ein Kind anfasst, sprichst du zu ihm.

Wenn man an die Macht der Berührung denkt, weiß man, dass diese entscheidend ist, wenn es um den Aufbau einer Beziehung zum taubblinden Kind geht. Wir müssen einem Kind, das nicht oder schlecht hört und sieht, durch Berührungen helfen, andere zu beobachten und mit ihnen zu agieren, damit es einen Zugang zur Welt zu findet.

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Der Aufbau von Beziehungen durch einen kommunikativen Ansatz

Denke an gute Beziehungen, die du mit anderen hast. Starke Beziehungen basieren auf gemeinsamen Interessen, wechselseitiger Aufmerksamkeit, Respekt und Fürsorge. Es ist wichtig, diese Grundelemente im Kopf zu behalten, wenn wir über den besten Weg nachdenken, eine Beziehung zum taubblinden Kind aufzubauen. Wir müssen versuchen, so sorgfältig und vollständig wie möglich zu erkennen, wie das Kind denkt, fühlt und die Welt sieht.

Taubblinde Kinder melden uns deutlich zurück, was sie mögen und was sie nicht mögen. Manchmal werden diese Botschaften durch eine rhythmische Körperbewegung oder durch die Mimik überbracht. Es ist wie das Miteinander-Teilen eines Gesprächsthemas, wenn man sich dem Kind bei einer beliebten Bewegung oder Aktivität anschließt. Diese miteinander geteilte Aufmerksamkeit gibt dem Ausdruck des Kindes Bedeutung. Auch wenn uns die Lieblingsaktivitäten der Kinder nicht unbedingt gefallen, ist es wichtig, sie mit ihnen gemeinsam zu genießen, damit sie lernen, die Gesellschaft anderer zu akzeptieren und sich darüber zu freuen. Zuerst vertraut das Kind vielleicht nur ein oder zwei Personen, später erweitert es seinen Kreis möglicherweise.

Das Gespräch ist das Ziel

Mütter imitieren die Laute ihres Kindes aufs Geratewohl und antworten auf seine Körperbewegungen. „Backe, backe Kuchen“ und andere Spiele entspringen diesem Aufeinander-Eingehen. Alle Kinder lernen zu kommunizieren, indem sie sich dieser interaktiven Methode bedienen. Frühe Gespräche haben keine Worte; sie brauchen lediglich zwei Personen, die wechselseitig und aufeinander abgestimmt etwas tun und dieses Tun gemeinsam genießen. Diese Art der wechselseitigen Interaktionen bildet die Grundlage unserer Fähigkeit, zu anderen soziale Beziehungen herzustellen.

Zu oft wird erfolgreiches Lehren daran gemessen, ob das Kind Anweisungen folgt oder nicht. Sicher ist dieses Modell des Unterrichtens das, was viele von uns erfahren haben. Erfolgreiches Lehren sollte jedoch an der Fähigkeit gemessen werden, dem Kind zu folgen, seine Interessen zu teilen und eine Partnerschaft zu entwickeln, in der beide die Führungsrolle tauschen können. Jede Interaktion, die Wechselseitigkeit zwischen zwei Leuten beinhaltet, ist ein Gespräch.

Ein gutes Gespräch hat folgende Elemente

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Wechselseitige/beidseitige Aufmerksamkeit

Gespräche beginnen, wenn zwei Leute sich kennen. Typischerweise beginnt sie mit wechselseitigem Augenkontakt. Während des Gespräches erhalten und geben wir viel visuelles Feedback. Unser Gesprächspartner nickt mit dem Kopf, benutzt seine Mimik und verändert seine Körperposition, um zu zeigen, dass er dem was wir sagen folgt und es versteht. Diese nonverbale Sprache beeinflusst das, was wir sagen und wie wir fortfahren, ob wir das Thema wechseln oder das Gespräch beenden. Taubblinden Kindern ist dieses visuelle Feedback nicht zugänglich. Sie brauchen taktilen Kontakt zu ihrem Kommunikationspartner.

Ein sehbehindertes Kind benötigt ebenfalls einen taktilen Zugang, damit das, was es sieht, klarer wird. Wir müssen Berührungen verwenden, damit das Kind weiß, dass wir ihm zuhören und am Thema interessiert sind, mit Worten oder ohne. Auch wenn man dem Kind zuhört, braucht es ein Feedback, damit es sich wahrgenommen und nicht abgelehnt fühlt. Bekommt es dies nicht, werden sein Selbstwertgefühl und die Motivation zur Kommunikation ernsthaft beeinträchtigt.

Themen

Denke daran, wie wohl du dich fühlst, wenn jemand an dem Thema, mit dem du begonnen hast, interessiert ist. Du wirst ermutigt sein und das Gespräch fortführen. Die Interessen des taubblinden Kindes sind manchmal sehr eingeschränkt. Beispielsweise wedeln manche hochgradig sehbehinderten Kinder mit der Hand vor den Augen, um mit dem Licht zu spielen. Wenn wir uns aber dem Kind bei diesem Spiel anschließen, können wir seine Aufmerksamkeit auf uns ziehen. Das Kind wird wahrnehmen, dass wir seine Interessen mit ihm teilen wollen, und es wird motiviert sein, die Kommunikation fortzuführen.

Die Schlüsselrolle der Erzieher, Eltern, Betreuer und Lehrer ist es, die Vorlieben des Kindes zu entdecken, egal wie ungewöhnlich sie auch sein mögen. Sie müssen ihre Beziehung zum Kind durch das Miteinander-Teilen seiner Interessen nähren. Die bevorzugten Aktivitäten kleiner Kinder sind meist bezogen auf ihren Körper und Sinneswahrnehmungen (z.B. Bewegungen, Rhythmen, Licht, Geräusche, Oberflächen).

Manchmal wird man nicht in der Lage sein, den Wünschen des Kindes zu folgen. Aber es ist wichtig zu zeigen, dass man sie verstanden hat. Wenn der Schulbus kommt und das Kind nach Hause muss, kann es nicht mehr schaukeln gehen, auch wenn es die Gebärde macht. Anstatt die Anfrage zu überhören, könnte man sagen: „Ich weiß, dass du auf dem Spielplatz schaukeln möchtest. Wir werden es morgen gemeinsam tun. Nun müssen wir zum Bus gehen und nach Hause fahren“. 

Eine gemeinsame Sprache sprechen

Einige taubblinde Kinder gebrauchen formelle Sprache (geschrieben, gesprochen oder gebärdet). Andere verfügen nicht darüber, können aber sehr wirksam durch Mimik, Gestik und Objekte kommunizieren. Der Erzieher muss diese Formen der Kommunikation des Kindes erkennen und gebrauchen. Gebraucht das Kind Objekte, sollten auch Objekte eingesetzt werden, während zusätzlich gesprochene oder gebärdete Sprache eingesetzt wird.

Die Geschwindigkeit des Gespräches

Überlege, wie du dich fühlen würdest, wenn dir jemand eine Frage stellt, aber keine Gelegenheit dazu gibt, diese zu beantworten, bevor er weiterspricht. Vermutlich wirst du kaum daran interessiert sein, die Unterhaltung fortzuführen. Wir haben alle ein eigenes Tempo, wenn wir kommunizieren. Viele taubblinde Kinder benötigen  zusätzliche Zeit, um Informationen zu verarbeiten und zu beantworten. Eine Wartezeit von 5 bis 10 Sekunden scheint lang zu sein für jemanden, der an Gespräche gewöhnt ist, aber eine Wartezeit von 10 oder mehr Sekunden ist nicht ungewöhnlich für ein taubblindes Kind, besonders wenn es körperliche Beeinträchtigungen hat.

Wechselseitigkeit und Gleichgewicht

Denke an jemanden, der dich nicht zu Wort kommen lässt. Wir versuchen, solche Leute zu meiden, weil sie sich nicht wirklich für das interessieren, was wir sagen. Wir müssen sicherstellen, dass wir das taubblinde Kind nicht beherrschen. Neugeborene bringen sich in eine Unterhaltung ein, indem sie mit ihrer Mutter Blicke austauschen, und wenn die Mutter ihre Laute beantwortet, fühlen sie sich dazu ermutigt weiterzumachen. Später beginnen beide, Worte zu wechseln. Wir müssen für das taubblinde Kind Möglichkeiten schaffen, sich mit seinem Kommunikationspartner abzuwechseln. Zuerst kann mag dieser Austausch einfach und nonverbal sein, später können formelle Dialoge daraus werden.

Eine gute Unterhaltung, die ein Gleichgewicht zwischen zwei Personen beinhaltet, ist reich an Anmerkungen und Fragen. Es ist beleidigend, wenn du jemandem eine Frage stellst und die Antwort offensichtlich schon weißt. Denke an den Stil deiner Konversation mit dem Kind. Gibst du viele Anweisungen? Stellst du Fragen, die eine Antwort brauchen oder testest du das Kind lediglich? Machst du Anmerkungen während der Unterhaltung? Wartest du auf das Kind, damit es initiativ werden und antworten kann?

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Bequeme Haltung und angenehmer Ort

Wie würdest du dich bei einem Gespräch fühlen, bei dem du auf einem Bein stehen sollst, auf einer Tischkante sitzt mit baumelnden Füßen oder auf dem Rücken liegst und an die Decke schaust, während dein Partner über dir steht? Diese Positionen sind unbequem und würden dich davon ablenken, ein gute Unterhaltung zu führen.

Taubblinde Kinder müssen sich wohl und sicher fühlen. Es ist wichtig, die eigene Position und die des Kindes zu betrachten. Der Hör- und Sehverlust sowie körperliche Beeinträchtigungen müssen ebenfalls Berücksichtigung finden. Der Kommunikationspartner muss sich in Reichweite des Kindes befinden, die Augen müssen auf derselben Höhe sein.

Für die angemessene und bequeme Lagerung körperbehinderter Kinder sollte man den Rat des Physiotherapeuten einholen. Ebenso muss man den Ratschlag von Fachleuten bezüglich der Seh- und Hörbehinderung berücksichtigen, damit das Kind sein verbliebenes Hör- und Sehvermögen so gut wie möglich einsetzen kann. Wenn man einmal an Selbsterfahrungsübungen teilgenommen hat, bei denen die Behinderung des Kindes simuliert wurde, wird man sich eher vorstellen können, wie das Kind sich fühlt. Wenn man sich jeden Tag etwas Zeit nimmt, um dem Kind die volle Aufmerksamkeit für eine entspannte Unterhaltung entgegenzubringen, wird die Beziehung gedeihen, genauso wie die Beziehung zu Freunden wächst, wenn man eine gute Zeit mit ihnen verbringt.

Wechselseitiges Einfühlen und Fürsorge

Es wurde bereits betont, wie wichtig es ist, die Gefühle des Kindes zu kennen und zu verstehen und eigene Gefühle auszudrücken. In der Konversation mit dem Kind musst du zeigen, dass du aufrichtig an ihm und an dem, was es sagt, interessiert bist. Du solltest über die Gefühle des Kindes immer Bescheid wissen und deine ausdrücken. Wenn das Kind beispielsweise hüpft und lacht, kannst du ebenfalls hüpfen, lachen und gebärden: “Du bist fröhlich! Ich bin fröhlich!“.

Es ist einfach, Objekten und Personen Namen zu geben, jedoch müssen wir auch unsere Gefühle und die des Kindes bezeichnen können. Wenn ein Kind sich beispielsweise an seiner Decke reibt, wenn es traurig ist, kann die Decke ein Symbol für das Wort „traurig“ werden. Allmählich kann ein Stück der Decke herausgeschnitten und auf eine Karte geklebt werden, die ausdrückt: „Ich bin traurig“.

Kommunikationsreiche Umgebungen und Erfahrungen

Wir haben gesagt, dass Gespräche mit und ohne Worte stattfinden können. Denke an das kleine hörende und sehende Kind. Es ist vom Moment seiner Geburt an Worten ausgesetzt, und niemand käme auf die Idee, nicht zu sprechen, nur weil uns das Kind noch nicht versteht.  Durch die kontinuierliche und wiederholte Darbietung der Sprache lernt es die Sprache seiner Kultur. Ein Kind hört ein Wort tausendmal, bevor es dies selber ausspricht. Für ein taubblindes Kind muss eine Umgebung geschaffen werden, die reich ist an allen Formen von Kommunikation, angefangen von Objekten, Gesten, Bildern bis hin zu geschriebener, gesprochener und gebärdeter Sprache.

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Lernen durch Erfahrung

Denke daran, wie viel wir durch alltägliche Erfahrungen lernen. Das Lernen in echten Alltagssituation ermöglicht es dem taubblinden Kind, Basiskonzepte zu erwerben, die andere Kinder beiläufig erlernen. Echte Alltagserfahrungen fördern die eigenen Interessen des Kindes und werden wahrscheinlich zu seinen Gesprächsthemen werden. Ein taubblindes Kind muss durch eine andere Person aktiv in das tägliche Leben einbezogen werden, damit es etwas über sich selbst, seine Familie, seine Freunde, sein Zuhause und seine Gemeinde lernt. Begriffsentwicklung und Kommunikation sind untrennbar. Ohne wirkliche Lebenserfahrungen erwirbt das Kind keine Begriffe, bedeutungsvolle Kommunikation oder soziale Beziehungen.

Wenn du über wichtige Lerninhalte für das taubblinde Kind nachdenkst, überlege, wie weit sein Wissen über seine Umgebung reicht, angefangen bei den Armen der Mutter und enger Familienmitglieder.  Was weiß es über das Haus und seine Umgebung, die Nachbarschaft und entferntere Verwandte und Freunde? Sehen und Hören sind die bedeutsamsten Kanäle, die ein Kind dazu motivieren, seine Welt zu erforschen und beständig zu erweitern. Der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung, die dem taubblinden Kind Sicherheit gibt, wird dieses ermutigen, sein Wissen über die Welt zu erweitern.

Ein gemeinsames Lernen mit dem Kind stellt viele Gelegenheiten für ein Gespräch bereit. Stelle dir einige Fragen über den Wissensstand des Kindes, solche wie

Weiß es, dass die Socken an die Füße gehören?

Weiß es, dass alle Menschen essen?

Weiß es, dass Essen im Kühlschrank aufbewahrt und auf dem Herd gekocht wird?

Weiß es, woher das Wasser in der Badewanne kommt?

Weiß es, dass das Fenster an einem warmen Tag warm und an einem kalten Tag kalt ist?

Weiß es, dass seine Kleidung nass wird, wenn es im Regen steht?

Weiß es, dass Bäume an einem heißen sonnigen Tag Schatten spenden?

Weiß es, dass sein Freund nebenan wohnt?

Weiß es, dass das Essen, das im Supermarkt gekauft wird, dasselbe Essen ist, das es zu Hause zu essen gibt?

Weiß es, dass sein Haustier schläft?

Dies sind nur einige Beispiele von vielen, die du mit dem taubblinden Kind gemeinsam erleben musst. Wenn du darüber nachdenkst, was ein taubblindes Kind alles zu lernen hat, ist es hilfreich, die Wichtigkeit der Inhalte für das Leben des Kindes zu analysieren. Ist es wichtiger, draußen einen richtigen Schneemann zu bauen oder Wattebällchen auf ein Blatt Papier zu kleben? Wenn ein Kind keine Vorstellung vom Schnee und vom Bauen eines Schneemanns hat und von der Sprache darum herum, wie kann es dann eine bildnerische Arbeit mit einem Schneemann assoziieren?  Es ist extrem wichtig, Aktivitäten im Leben des Kindes zu bevorzugen, die wertvoll sind für die Begriffsbildung und die soziale und kommunikative Entwicklung. Berücksichtige bei der Auswahl ebenfalls, wie Tätigkeiten dazu beitragen können, das Kind zu einem Mitglied der Familie, einer Gruppe und der Gemeinde werden zu lassen.

Das Lernen in realen Lebenssituationen ermöglicht dem Kind, grundlegende Begriffe und Konzepte zu erwerben, die andere Kinder beiläufig lernen. Es kann seine Interessen pflegen und zu Gesprächsthemen machen.

Ein taubblindes Kind muss ganz in alle Aktivitäten einbezogen werden (Beginn, Mitte, Ende), um die Abläufe im täglichen leben vollständig zu verstehen. Ist das Kind nicht in den ganzen Prozess einbezogen, wird die Welt verwirrend und chaotisch erscheinen. Personen und Dinge erscheinen und verschwinden dann wie durch einen Zauber. Denke über etwas Simples nach wie das Trinken eines Bechers Saft:

Sogar diese einfache Tätigkeit enthält viele Gelegenheiten für ein Gespräch, das zur Begriffsbildung beitragen kann. Vokabeln wie durstig, kalt, nass, verschütten, offen, geschlossen, abwaschen, abtrocknen, herausholen, eingießen, hineinstellen und sauber machen können erlernt werden. Durch Wiederholungen und Gespräche in Alltagssituationen wird das Kind lernen, die Schritte einer Aktivität zu antizipieren und die Verbindung von Tätigkeiten und Worten tatsächlich herzustellen.

Die Darstellung von Erlebnissen

Wir haben darüber gesprochen, wie wir dem Kind helfen können zu antizipieren. Man kann nur vorausschauen, wenn man sich an Vergangenes erinnern kann. Eigene Geschichten helfen dem Kind, sich zu erinnern und Erfahrungen mit anderen zu teilen. Wie eine “Geschichte“ aussehen soll, hängt davon ab, welches Kommunikationsmittel das Kind am besten versteht. Einige Kinder brauchen eine Sammlung realer Objekte, die sie mit ihren Erfahrungen assoziieren können, um eine Verbindung herzustellen. Nehmen wir an, ein Kind beschäftigt sich in der Pause mit einer Blume oder einem Luftballon, der in den Büschen hängt. Um das Erlebnis festzuhalten, befestige das Objekt auf einer Karte oder in einem Aktenordner (die Hände des Kindes über deinen, damit es „sehen“ kann). Andere Kinder können vielleicht mit deiner Hilfe Bilder zeichnen, und verstehen, dass dadurch Personen, Objekte und Ereignisse repräsentiert werden.  Umrande beispielsweise gemeinsam mit dem Kind einen Gegenstand, um ihm zu helfen, Verbindungen herzustellen. Zeichnungen und Gegenstände sollten immer mit Worten versehen werden. Denke daran, dass kleine Kinder Worten ausgesetzt sind, lange bevor sie sprechen können. Ebenso werden sie mit geschriebenen Worten konfrontiert bevor sie lesen können. Worte (geschrieben oder gesprochen), die Gegenstände oder Bilder begleiten, ermöglichen es auch anderen Kommunikationspartnern, die Bedeutung der Geschichte zu verstehen. So kann das Kind sein Erlebnisbuch mit der Familie teilen. Es bietet viele Gelegenheiten für Gespräche.

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Zusammenfassung

Durch frühe Interaktion lernen wir zu kommunizieren. Taubblinde Kinder haben jedoch begrenzte Möglichkeiten, sich mit anderen auf natürliche Art und Weise zu unterhalten. Wir müssen eine kommunikationsreiche Umgebung gestalten, die Gespräche ermöglicht. Durch die volle Einbeziehung des Kindes in die Abläufe des täglichen Lebens lassen sich gemeinsame Gesprächsthemen finden. Diese  führen zur Entwicklung von Beziehungen, die wiederum für eine hohe Lebensqualität wesentlich sind.

Literatur

Sauerburger, D. (1993). Independence without sight or sound: Suggestions for practitioners working with deaf-blind adults. New York: American Foundation for the Blind.

Miles, B. (1999). Talking the Language of the Hands to the Hands. Monmouth, OR: DB-Link.

Miles, B., Riggio, M. (eds.) (1999). Remarkable conversations: A Guide to developing meaningful communication with children and young adults who are deafblind. Watertown, MA: Perkins School for the Blind.

Riggio, M., McLetchie, B. (2001). Competencies for paraprofessionals working with deafblind in early intervention and educational settings. Watertown, MA: Perkins Scholl for The Blind.

Wir sind Dr. Jan van Dijk für seine zahlreichen Publikationen und Vorträge, die zu diesem Kapitel beigetragen haben, zu Dank verpflichtet.